Mit dem Honorarsystem ringen
Mit dem Honorarsystem ringen
Knock out, big deal, Brandbeschleuniger und HIV-Patienten als unheimlich lukrative Kunden - die Sprache des Gesundheitsökonomen Prof. Lauterbach, SPD, u.A. Berater der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, SPD
Hamburger Symposium zur Integrierten Versorgung am 07. November 2008 im Grand Elysee Hamburg. Zitate aus dem Vortrag (das Video finden Sie hier):
“Was wird passieren in 2009? ... [Es wird] eine Durststrecke ... geben. Die zwei Hauptanbietergruppen, die Krankenkassen und die Leistungserbringer werden durch andere Initiativen, die mit der Gesundheitsgesetzgebung des letzten Jahres zu tun haben, abgelenkt sein:
Die Krankenkassen werden sich sehr stark darauf konzentrieren müssen, wie werden sie fertig werden mit dem Gesundheitsfonds...
Wie sieht es mit den Anbietern aus? Die niedergelassenen Ärzte werden mit dem neuen Honorarsystem ringen... Es wird eine ganze Zeit dauern, bis man dieses Honorarsystem überhaupt versteht... Die Umverteilungseffekte durch das neue Honorarsystem werden von den niedergelassenen Ärzte deutlich unterschätzt.
Die Krankenhäuser werden abgelenkt sein durch die Möglichkeiten medizinische Versorgungszentren zu eröffnen... Die Krankenhäuser werden sehr viel Wert darauf legen, mit den MVZs an den Markt zu gehen... Diejenigen die ein MVZ in einem regionalen Markt aufbauen, werden bald diesen Markt verteilt haben... Es gibt in jedem Markt nur eine begrenzte Zahl von Praxen, die zu haben sind. Das werden in erster Linie die Praxen sein in der Altersgruppe der 45 bis 55-jährigen Ärzte, die zum Teil sehr hoch verschuldet sind – wo aber die Ärzte sehr gut verstehen, dass sie in zehn oder fünfzehn Jahren diese Praxis nicht mehr teuer verkaufen können!
Die mittelalte Facharztgruppe ist sehr offen für die Verhandlung mit medizinischen Versorgungszentren. Das wird im nächsten Jahr eine große Rolle spielen, weil auch das ein Markt ist, der nur einmal verteilt werden kann.
Wie geht’s dann weiter?... Mit jeder Krankheitsepisode mache ich dann Gewinn. Dann ist es übrigens nicht mehr so, dass der gesunde Patient der wirtschaftlich interessanteste ist, sondern dann ist es der teure Patient mit einer teuren Krankheitsepisode, der wirtschaftlich interessant ist... Wie lange müsste ich einen gesunden Patienten versichern um diesen Betrag zu erwirtschaften? ... Die Behandlung des einigermaßen Gesunden kann ich mir demnächst gar nicht mehr leisten, weil das Geschäftsmodell kollabiert, weil der Deckungsbeitrag für den Gesunden abgesenkt wird... Zum Beispiel ist der HIV-Patient ein unheimlich lukrativer Kunde... Dann spielt die integrierte Versorgung eine große Rolle, weil ich das gesamte Kostenrisiko verlagern kann auf den Anbieter...
Die integrierte Versorgung wird auch noch eine große Rolle spielen für solche Patienten, die nicht auf der Liste mit den 80 Krankheiten sind, denn das sind die Verlustbringer... Hier hat der Patient doppelt Pech, weil es weniger Forschung und Experten gibt.... und zweitens er wird geführt wie ein Gesunder [und es gibt weniger Geld].
... Es kommen 3 Brandbeschleuniger für die integrierte Versorgung zum Tragen und dann wird die integrierte Versorgung eine sehr große Rolle spielen.”
Brandbeschleuniger
Mittwoch, 25. März 2009